Rückflug nach Kathmandu, Bhaktapur, Flug nach Berlin

Mit der Druk Air ging es nach dem Anschied von unserem Guide und dem Fahrer wieder zurück nach Kathmandu. Der einstündige Flug führte wieder an den Himalayariesen vorbei, die man gut vom Flugzeug aus sehen konnte. Schon beim Anflug auf Kathmandu konnten wir schon wieder die Dunstglocke über der Stadt sehen und wir wussten, dass uns erneut hohe Luftverschmutzung erwarten würde. Wie auf der Hinreise waren wir wieder im Hotel Mulberry und wurden vom Flughafen nach der unproblematischen Einreise abgeholt. Auf der Dachterasse gab es ein Willkommensbier und vor unseren Liegen tummelte sich ein junger selbstverliebter Einheimischer im Pool, während ein Begleiter unaufhörlich Bilder von ihm machte. Wir bummelten dann noch durch die Stadt, machten ein paar Einkäufe und gingen wieder in dem uns schon bekannten Restaurant essen. Danach ging es noch in eine Szenebar, der Abend dort war jedoch eher langweilig.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Taxi für wenig Geld nach Bhaktapur, einer der drei Königsstädte von Nepal mit ca. 100000 Einwohnern. Die Geschichte der Stadt reicht bis ins 7. Jahrhundert vor Christus zurück und hat eine lange Tradition. Wegen seiner herausragenden Lage im Kathmandutal war Bhaktapur seit dem 14. Jahrhundert fast durchgängig Residenz- und Königsstadt. Es lag auch an der wichtigsten Handelsroute zwischen Tibet und Indien, was die Stadt reich machte und ihr viel Ansehen verschaffte. Vor allem zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert entstanden hier unzählige prächtige Tempel- und Palastanlagen. Das Bild der Stadt wird heute von der Landwirtschaft, der Töpferkunst und besonders von einer lebendigen traditionellen Musikerszene bestimmt. Hier werden besonders viele Feste gefeiert und auch bei unserem Besuch waren viele Straßenzüge schon für ein kurz bevorstehendes religiöses Fest geschmückt. Das Erdbeben von 2015 hatte hier zu besonders vielen Schäden geführt und manches liegt trotz des Wiederaufbaus auch heute noch in Trümmern. Dennoch kann man hier gut stundenlang durch enge Gassen bummeln und in das Leben vornehmlich hinduistischer Nepalesen eintauchen. Wir nahmen uns viel Zeit, konnten einfachen Bäuerinnen bei ihrer Arbeit mitten in der Stadt zuschauen, wo auf Plätzen Reis getrocknet wird. Auch handwerkliche Tätigkeiten wie Töpfern wird hier direkt auf Plätzen oder an Straßen praktiziert. Überall gibt es kleine oder größere Tempel, wo rote Farbe auf Statuen aufgebracht wird. Die Menschen begegnen einem hier freundlich aber zurückhaltend und wir konnten von der Terasse eines Restaurant am Hauptplatz das Treiben auf dem Platz beobachten. Danach ging es in einer ca. einstündigen Fahrt wieder zurück nach Kathmandu, wo wir nochmals am Durbarplatz Station machten und danach in unser Stammlokal zum Abendessen gingen.

Am nächsten Tag ging es schon früh zum Flughafen. Unser Flug mit der Turkish Airlines ging pünktlich und führte uns direkt über Pakistan, Afghanistan, Iran, Turkmenistan und Aserbaidschan nach Istanbul, wo wir noch einen gemütlichen mehrstündigen Aufenthalt in der guten Businesslounge im Flughafen hatten, bevor es zurück nach Berlin ging.

Bumdra Trek und Taktshang

Nach dem Frühstück fuhr uns unser Fahrer zum Kloster Sangchokor auf 2800 Höhenmetern, dem Ausgangspunkt für den 2-tägigen Bumdra-Trek zum Taktshang, dem berühmten Tigernest-Kloster. Wir haben uns für diesen Trek entschieden, um nicht den eintägigen Trampelpfad der meisten Tigernestbesucher gehen zu müssen. Das Tigernest ist das Wahrzeichen für Bhutan überhaupt, praktisch jeder Bhutantourist sieht es sich an und es wird auch gesagt, dass jeder Einwohner des Landes mindestens einmal im Leben dort gewesen sein muss. Es sollte sich noch zeigen, dass unsere Entscheidung sehr gut war, denn auf dem Trek waren nur wenige Gruppen unterwegs und auch im Tigernest kamen wir am zweiten Tag lange vor den großen Gruppen an. Da uns im Bumdra-Camp etwas Luxus erwarten sollte, benötigten wir nur unsere Tagesrucksäcke und außer unserem Guide keine Begleitmannschaft. Es ging zunächst einige Stunden stetig bergan, durch einen Wald der im letzten Jahr abgebrannt war (Waldbrände kommen hier dennoch recht selten vor). Nach dem Brandgebiet wurde es wieder grüner und auf den Bäumen wuchsen viele Moose und Flechten. Auf ca. 3600 Höhenmetern erreichten wir einen schönen Aussichtspunkt neben einem kleinen Kloster, wo wir vor dem mit Pferden gelieferten Mittagessen ankamen. Auf dem Anstieg und beim Aussichtspunkt begegneten wir auch einer kleinen deutschsprachigen Reisegruppe. Nach dem Mittagessen ging es gemütlich weiter in Richtung Bumdra. Der Weg führte weiter durch schöne Wälder und über grüne Lichtungen. Der Anstieg war moderat bis wir zu einer Ebene kamen, die fast mystisch aussah. Hier könnte man auch gut Fantasyfilme drehen oder Märchenerzählungen lauschen. Der Legende nach flogen zur Zeit Guru Rimpoches im 8. Jahrhundert 100.000 Feen oder Elfen von hier aus direkt ins Paradies. Man konnte schon unser Camp sehen und es dauerte nicht mehr lange, bis wir es erreichten. Hier stehen dauerhaft einige Zelte und auch einfache Sanitäreinrichtungen. Eine Gruppe junger Bhutanesen kümmert sich um das Camp und das Essen. Mit uns waren an diesem Tag nur 3 andere Gruppen dort – die erwähnte deutsche Gruppe, einige Schweizer und ein amerikanisches Paar. Das Camp liegt auf 3900 Höhenmetern und abends wird es recht frisch. Die Zelte sind mit richtigen Betten und dicken Decken ausgestattet, im Aufenthaltszelt gibt es abends eine Gasheizung. Da wir schon am frühen Nachmittag ankamen, hatten wir noch Zeit ein kleines Felsenkloster anzuschauen, das direkt neben dem Camp im Felsen lag und von einem einizigen Mönch bewirtschaftet wird. Im kleinen Tempel zündete Martin eine Butterlampe für seinen Bruder Georg an und dachte an ihn. Ohne unseren Guide gingen wir dann noch weiter auf einen Berg auf knapp 4200 Höhenmetern. Von dort hat man einen fantastischen Ausblick auf einige der höchsten Himalayriesen, darunter dem Kangchenjunga mit ca. 8600 Höhenmetern. Eine weitere Besonderheit des Bergs ist auch die Tatsache, dass er nach wie vor für Himmelsbestattungen von verstorbenen Säuglingen genutzt wird. Die verstorbenen Kinder werden dabei in einer buddhistischen Zeremonie auf Felsplatten gelegt und danach von wilden Tieren und Vögeln gefressen. Nach ein paar Tagen kommen die Angehörigen wieder vorbei und verbrennen die übrigen Knochen. Die Himmelsbestattung auch für Erwachsene ist bis heute in Tibet und Bhutan am meisten verbreitet. Der Leichnam wird einige Tage im Haus weiter symbolisch mit Essen versorgt. In dieser Zeit von drei bis fünf Tagen wird dem Toten von einem Lama aus dem Tibetischen Buch der Toten vorgelesen, um die Seele des Toten zum Verlassen des Körpers zu bewegen. Am Tag der Bestattung wird der Leichnam nach einer letzten Beschwörung des Lamas noch vor Sonnenaufgang zum Bestattungsplatz gebracht. Dort wird der Körper von den Leichenbestattern, den Ragyapas, zerteilt und den – zuvor angelockten – Geiern zum Fressen überlassen. Diese tragen nach tibetischer Vorstellung den Verstorbenen ins Bardo, einen Zustand zwischen dem Tod und der Wiedergeburt. Nach dem Ausflug kamen wir gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang ins Camp zurück und ließen den Abend im Aufenthaltszelt ausklingen. Zuvor konnten wir uns noch etwas mit dem amerikanischen Paar austauschen.

Nach einer erholsamen Nacht unter gefühlt 5 dicken Decken ging es nach dem Frühstück gleich weiter in Richtung Taktshang. Der Weg war etwas felsiger und anstrengender, dennoch erreichten wir das Tigernest noch am Vormittag vor dem großen Touristenansturm. Der Ort ist den Einheimischen besonders heilig, da hier Guru Rinpoche in einer Höhle monatelang meditiert hatte und den Buddhismus nach Bhutan gebracht haben soll. Zur Höhle ist er nach der Legende von Nordindien aus auf einer Tigerin geritten. Später wurde das prächtige Kloster hier in den steil abfallenden Fels gebaut und war früher nur schwer erreichbar. Noch heute muss man einen anstrengenden Fußmarsch unternehmen, um dorthin zu gelangen. Wir besichtigten das Kloster und unser Guide erläuterte uns die Legenden, die sich um diesen Ort rankten. Danach machten wir uns auf den Abstieg, wo uns dann die Tagestouristen ächzend und stöhnend entgegenkamen. Auf halber Strecke machten wir an einer großen Gebetsmühle Pause und begegneten einer Gruppe junger Mönche aus Gangtey, die sich nach dem Tsechu auf eine Wallfahrt zum Taktshang begeben hatten. Sie baten uns, ihnen bei Gruppenfotos zu helfen und fragten Thorsten, ob er ihnen bei der Einstellung der eigenen Digitalkamera helfen konnte. Später kam noch eine kleine Gruppe von Studenten aus Kalkutta auf uns zu. Jeder wollte Fotos mit uns machen – große europäische Männer machen wohl immer Eindruck auf viele Asiaten…

Danach ging es zurück nach Paro, wo wir eine sehr schöne Unterkunft im Tal hatten. In einem Farmhaus gab es im obersten Stockwerk zwei Gästezimmer und wir waren die einizigen Gäste. Das Haus war sehr schön renoviert und stilvoll dekoriert. Auch der Garten war schön angelegt. Hier bekamen wir fast das beste Essen auf unserer Reise und Thorsten ließ sich auch Rezepte aufschreiben. Am späten Nachmittag bummelten wir noch durch das kleine Städtchen Paro und machten letzte Einkäufe. Wir waren etwas traurig, dass es der letzte Tag in Bhutan war und schliefen in dieser Nacht mit besonders vielen Eindrücken ein.

Gangtey Tsechu, Phobjikha Tal und Rückfahrt nach Paro

Nach dem Frühstück machten wir uns gleich auf zum Tsechu, das im Klosterhof von Gangtey gefeiert wurde. Das Kloster wurde im 16. Jahrhundert gegründet und gilt als eines der bedeutendsten im Land. Es geht auf Pema Lingpa, einen großen buddhistischen Heiligen aus dem 15. Jahrhundert zurück. Auch die herrschende Königsdynastie soll in der direkten Nachkommenschaft des Pema Lingpa stehen. Der Abt des Klosters wird als die neunte Reinkarnation (Tulku) desselben verehrt und steht als Oberhaupt der ältesten buddhistischen Schule von Bhutan nicht in der üblichen Hierarchie. Das Kloster schaut aus wie ein Dzong, ist aber selbständig und nicht Sitz einer staatlichen Verwaltungseinheit. Das Fest war schon voll im Gang, wir konnten jedoch wieder einen guten Platz ergattern. Alle sitzen auf dem Boden und viele Besucher haben eine Unterlage mitgebracht. In Anwesenheit seiner Heiligkeit, des 9. Tulku von Pema Lingpa wurden verschiedene traditionelle Tänze aufgeführt. Das Tsechu erschien uns hier ursprünglicher als in Thimphu und wurde vorwiegend von Einheimischen aus den umgebenden Dörfern besucht. Alles war sehr farbenfroh und wir konnten gut in die besondere Atmosphäre eintauchen. Zwischendurch wurde Räucherwerk abgebrannt und die Familien stärkten sich mit mitgebrachten Speisen. Nur die hohe Geistlichkeit wurde besonders bewirtet. Wir verließen zur Mittagspause das Kloster und stärkten uns in einem nahe gelegenen Restaurant. Vor dem Kloster waren Markstände aufgebaut, an denen Händler ihre Waren anboten. Weiter hinten wurde es geselliger und die Menschen spielten an improvisierten Ständen u.a. um Geld. An diesen Ständen waren wir gefühlt die einzigen Touristen und fielen entsprechend auf. Nach dem Besuch des Festes wanderten wir zu unserer nächsten Unterkunft ins Phobjikha-Tal. Es ging zunächst durch einen angenehmen Mischwald, der sich nach einiger Zeit zum Tal hin öffnete. Große Wiesen in unterschiedlichen Grüntönen überzogen das feuchte Marschland. Die Gegend gilt als streng geschützt, da sich hier im Winter seltene Schwarzhalskraniche versammeln. Diese ziehen ab November von Tibet aus zu Hunderten hier her, um dem strengen tibetischen Winter zu entgehen. Weiter südlich wird im Tal Kartoffelanbau betrieben. Die hier geernteten Kartoffeln gelten als die Besten in Bhutan. Unser Hotel bot wieder einen guten Blick ins Tal und unser Zimmer war sehr angenehm. Zum Abendessen ging es diesmal zu einer Familie, die im Tal Landwirtschaft betrieb. Wir konnten in der großen Küche auf dem Boden Platz nehmen und der Frau des Hauses beim Kochen zuschauen. So bekamen wir einen tollen Einblick ins häusliche Leben einer typischen bhutanesischen Familie. Das Essen bestand aus der üblichen Vorsuppe – Thorsten bezeichnete diese wegen ihrer dünnen Konsistenz gern als „reinigend“ und dann aus verschiedenen kleinen Gerichten mit Reis und Kartoffeln, die man sich selbst zusammenstellen konnte. Auch hier bekamen wir wieder Ara, den traditionellen Reiswein.

Am nächsten Tag frühstückten wir sehr früh, um nochmal an einer besonderen Zeremonie im Kloster teilnehmen zu können. Zum Abschluss des Tsechu wurde schon vor dem Morgengrauen die sogenannte Thongdrel entrollt, eine eigens für diese Zeremonie hergestellte Thangka, die ca. 20×25 Meter misst und die ganze Klosterfront bedeckt. Vom Anschauen der Thangka mit den Darstellung von Guru Rinpoche, dem lotus-geborenen Buddha und seinen 8 Erscheinungsformen soll ein besonderer Segen ausgehen, die Gläubigen dürfen sich ihr gebückt nähern und sie am Saum berühren. Zuvor lässt man eine Gabe (Geld oder Essen) in Schalen oder auf Podesten liegen. Diese werden später an Bedürftige verteilt. Die Zeremonie wird unter Vorsitz des Tulku mit großer religiöser Inbrunst begangen und endet dann am Vormittag wieder. Nach dem Mittagessen in Gangtey ging es mit dem Wagen zurück nach Paro, dem Ausgangspunkt unserer Bhutanreise. Wir waren in einem 4-Sternehotel untergebracht, das Zimmer war sehr geräumig und hatte einen tollen Blick – leider war das Abendessen jedoch sehr schlecht und wir bereuten es, uns darauf eingelassen zu haben.

Chorten Nebu und Fahrt nach Gangtey

Nach einer angenehmen Nacht in unserem großen Zimmer in der Dhumra Farm und einem wunderbaren Frühstück im Garten mit direktem Blick auf den Dzong und das Tal ging es einige Kilometer mit dem Wagen ins Tal Richtung Norden. Wir wollten eine Wanderung unternehmen und wussten nicht viel darüber im Vorfeld. Es ging gleich steil nach oben und wir befürchteten, dass wir „nur“ zu einem Aussichtspunkt mit etlichen Touristen unterwegs waren. Auf dem Weg begegneten wir kaum jemand, ein junger Mönch kam uns entgegen mit einem verwundeten Fuß. Er war unterwegs zum nächsten Arzt. Es gab viele Insekten, auch große Spinnen, die überall ihre Netze bauten. Große Greifvögel kreisten in hoher Höhe und Schmetterlinge und Lybellen umschwirrten uns. Nach ca. 2 Stunden kamen wir an ein Kloster, das recht einsam auf einer Anhöhe stand. Es gab verstreut auch einige Bauernhäuser – alles zusammen bildete das Dorf namens Chorten Nebu. Vor dem Kloster stand ein uralter großer Baum, über den es auch wieder einige wunderliche Legenden gab. Früher soll die Gegend von bösen Dämonengeistern besiedelt gewesen sein – ein Heiliger konnte diese jedoch vertreiben. Im Kloster wurden wir sehr freundlich empfangen und konnten die ganze Anlage ausgiebig anschauen und mit Mönchen reden. Die meisten waren wieder sehr jung und waren freundlich, zurückhaltend aber interessiert. Wir bekamen im besten Raum Kaffee und Gebäck, während von den Bildern an den Wänden die 5 Könige und die letzten Je Khenpo’s (oberster buddhistischer Lama im Land) auf uns herabschauten. Auch ein Kind war unter den Bildern – unser Guide erzählte uns, dass manche Würdenträger und Reinkarnationen auch heute noch schon als Kind über magische und religiöse Rituale ausgewählt werden und dann Jahre im Kloster auf ihre Rolle vorbereitet werden. Die folgende Klosterführung war auch spannend und aufschlussreich. Der Tempel war mit alten Malereien geschmückt und wie alle anderen tempel auch reichlich verziert. Mittlerweile kannten wir die wichtigsten Merkmale, Bilder und Statuen. Wir konnten auch Nebenräume ansehen – nur in einen Raum sollten wir nicht, da dort Schutzgeister wohnen, die nicht gestört werden sollten. Es gab dann noch ein sehr gutes Mittagessen, dass die Mönche selbst zubereiteten. Wir konnten auch in ihre Schlafräume schauen – mehrere leben zusammen in einem Raum. Auch gibt es Unterricht und auf dem Hof übten einige junge Mönche auf den länglichen Blasinstrumenten. Es war ein sehr schöner Besuch und wir wanderten wieder zum Ausgangspunkt zurück. Am Nachmittag schauten wir uns noch eine sehr lange Hängebrücke im Tal an und schlenderten ohne Guide durch ein Dorf. Abends gab es dann wieder ein gutes Essen und wir ließen den Tag in der Farm ausklingen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Gangtey. Wir fuhren durch das Tal von Wangdue Phodrang. Der Dzong wurde vor Kurzem durch ein Feuer teilweise zerstört und wird nun wieder aufgebaut. Es ist wohl keine Seltenheit, das in alten Klöstern Feuer ausbrechen. Vieles ist aus Holz gebaut, der Brandschutz oft unzureichend und unzählige unbeaufsichtigte Butterlampen sind eine ständige Gefahr. Das Tal selbst war für uns nichts Besonderes. Hier gab es etwas mehr Verkehr als üblich und neben der Landwirtschaft auch kleinere Industriebetriebe. An mehreren Stellen wurde im Flußbett Sand abgebaut. In Wangdue gibt es auch das erste kleine Stadtviertel, das nach modernen Stadtplanungsmethoden errichtet wurde. Quadratisch, praktisch, gut, jedoch nicht schön. Danach ging es wieder in die Natur über Serpentinen einen Pass hinauf, hinter dem die sogenannten schwarzen Berge lagen – in einer anderen kühleren Klima- und Vegetationszone. Von dort erstreckt sich das Phobjikha Tal bis weit in den Süden zum Jigme-Singye-Wangchuck-Nationalpark, der an Indien grenzt und in dem viele selten gewordene Säugetiere und Vögel heimisch sind. Unser Ziel Gangtey liegt auf 3000 Metern Höhe am Beginn des langgestreckten Hochtals. Hier begann schon das jährliche mehrtägige Tsechu, was in Gangtey noch viel traditioneller gefeiert wird als in anderen Bezirken. Zudem sind hier die Unterkunftskapazitäten stark eingeschränkt, so dass nicht ganz so viele Touristen hier her kommen. Wir sind in einer Lodge mit schönem Blick ins Tal untergekommen – das Zimmer war wieder recht geräumig, allerdings konnte nur mit einem Holzofen geheizt werden, der nur sehr schwer in Gang zu bringen war. Sogar das Personal benötigte dazu einige Versuche und das Zimmer war erstmal verqualmt. Da es am späten Nachmittag leicht zu regnen begann, haben wir den Abend dann in der Lodge verbracht.

Thimphu Tsechu und Fahrt nach Punakha

Durch den verkürzten Trek hatten wir die Gelegenheit, noch das Thimphu Tsechu zu besuchen. Tsechus sind religiös gefärbte Volksfeste, die jährlich einmal in jedem Bezirk von Bhutan abgehalten werden. Der Zeitpunkt variiert etwas und richtet sich nach dem tibetischen Kalender. Im Mittelpunkt stehen Maskentänze der rituellen tibetischen Musik und zeigen magische Beschwörungen oder basieren auf Ereignissen aus dem Leben von buddhistischen Heiligen und Lehrern aus dem 9. Jahrhundert. Gleichzeitig kommen zu den Tsechus viele Menschen aus den Dörfern des Bezirks in ihrer traditionellen Kleidung (für Bhutanesen ist das beim Besuch von Klöstern, Dzongs und auf Tsechus auch Pflicht) zusammen und um das Fest herum besteht auch eine große Marktatmosphäre. In Thimphu findet das Tsechu wegen seiner hohen Teilnehmerzahl vor dem großen Dzong (jeder Bezirk hat eine solche Klosterfeste) statt. In anderen Bezirken wird im Innenhof des Dzongs getanzt. Wir kamen zum letzten Tag und unserem Guide gelang es, für uns einen guten Platz zu ergattern. Wir schauten uns einige Tänze an und bewunderten die schönen Kostüme. Manche Masken und Kostüme erinnerten Martin entfernt an die der alemannischen Fasnet in der Heimat. Auf den Tsechus gibt es allerdings eine genau festgelegte Abfolge der Tänze, begleitet von traditionellen tibetischen Schlag- und Blasinstrumenten, die von Mönchen gespielt werden. Darunter befinden sich Rahmentrommeln, Messingbecken, Handzimbeln, lange Trompeten, Schneckenhörner und die Stielhandglocke, die normalerweise nur der Lama läutet. Dies alles scheint seit Jahrhunderten unverändert zu bestehen und hinterlässt einen tiefen Eindruck. Nach dem Besuch des Tsechus schlenderten wir noch durch die Stadt – die Hauptstrasse war wegen des Festes autofrei und so konnten wir gut in das Leben eintauchen. Mit Hilfe unseres Guides fanden wir auch einen Schuhmacher, der sich sehr gut um Thorsten’s Wanderschuhe kümmerte. Wir wechselten dann noch in unser zentrales Stadthotel, von dem man einen guten Blick auf’s Zentrum hatte. Man konnte auch auf das zentrale Fußballstadion von Bhutan schauen, wo gerade die Frauenmeisterschaft der SARRC Staaten Bangladesch, Bhutan, Indien, Nepal und Sri Lanka stattfand. Abends gingen wir dann nochmals in das schöne Folk Heritage Restaurant und ließen den Tag bei einem guten Essen und Ara ausklingen.

Am nächsten Tag sollte es früh losgehen. Unser Fahrer verstaute unser Gepäck im Wagen und es ging los Richtung Zentral Bhutan. Unser Ziel war das Punakha-Tal, welches auf ca. 1300 Höhenmetern liegt und zum wärmsten Gebiet im Land zählt. Zunächst mussten wir jedoch über einen Pass auf 3100 Höhenmetern fahren, wo uns dichter Nebel den Blick aufs Himalaya versperrte. Der Ort bot sonst nichts Besonderes und so beließen wir es bei einer Kaffeepause mit einem Stück „Black Forest Pie“, die jedoch so gar nichts von unserer Schwarzwälder Kirschtorte hatte. Über unzählige Serpentinen ging es dann immer tiefer und die Vegetation und das Klima wandelten sich schnell. Es wurde deutlich wärmer und die Vegetation machte mehr und mehr einen subtropischen Eindruck. Wir kamen dann nach Lobesa, einem kleinen Dorf in dem wir im kleinen Restaurant eines Verwandten unseres Fahrers zu Mittag aßen. Hier durften wir auch mal in die Küche schauen. Der Koch bereitete uns viele Kleinigkeiten zu, darunter das übliche scharfe aber leckere Chilikäsegericht zu. Von Lobesa aus machten wir dann eine kleine Wanderung zum Kloster Chimi Lhakhang. Dabei kamen wir an vielen Läden vorbei, die Phallusgegenstände verkauften. Auch die Häuser hier waren oft mit Phallussymbolen geschmückt, die auf einen buddhistischen Heiligen aus dem 15. Jahrhundert, dem „göttlichen Narr“ Drukpa Kinley zurückgingen. Unser Guide erzählte uns viele Legenden über ihn – er kam wohl einst aus Tibet, vertrieb die örtlichen Dämonen und lehrte einen unorthodoxen Buddhismus, der sich auch den lustvollen Seiten des Lebens hingab. Das Kloster soll von ihm gegründet worden sein und gilt nun als Fruchtbarkeitstempel, wo Paare mit Nachkommenswunsch durch einen Mönch mit einem hölzenern Phallus gesegnet werden. Auf dem schönen Weg dorthin konnten wir Menschen aus den Dörfern bei der Feldarbeit beobachten. Hier wird viel Reis angebaut, was sehr arbeitsintensiv ist. Auf dem Weg nach Punakha trafen wir an einem Aussichtspunkt Karsten, einen Freund aus Berlin, der zufällig auch auf einer Reise durch Bhutan war. Wir hatten uns schon im Vorfeld für den Abend verabredet und freuten uns sehr, ihm schon etwas früher über den Weg zu laufen. Wir schauten dann noch schönen und beeindruckenden Dzong von Punakha an, das früher als Hauptstadt Bhutans galt. Der Dzong wurde im 17. Jahrhundert als Festung gegen die einfallenden Tibeter gebaut, liegt am Zusammenfluß zweier wichtiger Flüsse aus dem Himalaya, enthält wichtige Kunstschätze und ist Krönungsort der Könige von Bhutan. Das Städtchen selbst hat nur ein paar Tausend Einwohner. Auch hier waren wir beeindruckt und ließen uns von unserem Guide die Geschichte des Hauses und verschiedene Legenden hierzu erläutern. Danach fuhren wir in unsere bisher schönste Unterkunft, die Dhumra Farm, von der wir einen sagenhaften Blick auf das Tal und den Dzong hatten. Es gab hier nur wenige Zimmer und Gäste und das essen war frisch und lecker. Abends kam dann noch Karsten vorbei und wir tauschten uns über unsere bisherigen Bhutan-Erfahrungen aus. Im Gegensatz zu uns war er auf einer West-Ost Durchquerung des Landes und reiste über Indien ein.

Dagala Trek

Von Thimpu ging es gleich nach dem zeitigen Frühstück los zum Startpunkt des Treks. Wir mussten ungefähr 1,5 Stunden über kurvige, teilweise unbefestigte Pisten in Richtung Südwesten fahren, bis wir an einer Hängebrücke in der Nähe des Ortes Gynekha auf ca. 2800 Höhenmetern von unserer Trekkingmannschaft bestehend aus einem Koch, einem Pferdeführer, einem Helfer und 6 Pferden empfangen wurden. Der Koch erzählte uns später, dass er schon seit über 20 Jahren Trekkingtouren begleitet. Er hofft, bald genug Geld zusammen zu haben, um sich ein Auto zu kaufen und dann als Fahrer arbeitenzu können. Sein Sohn ist nun erstmals als Helfer mit auf einer Trekkingtour dabei, um zu sehen, ob er in die Fußstapfen seines Vaters treten will/kann. Unsere Trekkingtaschen waren schnell verladen und schon ging es über die Hängebrücke los. Auf der anderen Seite war eine Horde Languren-Affen unterwegs, die jedoch rasch im Wald verschwanden, bevor wir unsere Kameras zücken konnten. Es ging dann stetig im Wald aufwärts. Der Wanderweg war angenehm, im Schatten der Bäume ließ es sich bei moderaten Temperaturen gut gehen. Gegen Mittag gab es an einem einfachen Rastplatz ein Mittagessen, was zuvor von unserem Koch vorbereitet wurde. Vom Platz hatte man einen guten Blick zurück auf den kleinen Ort und einen Tempel in der Nähe. Danach ging es weiter, den schönen Platz Gur (eine moosbedeckte Lichtung im Wald, die als Ort zum zelten genutzt werden kann) ließen wir rechts liegen und kamen nach ca. 2,5 Stunden an unserem ersten Übernachtungsort namens Gibze Kebze auf 3700 Höhenmetern an. Kurz zuvor endete der Wald und die Gegend wurde etwas karger – Büsche und Gebirgsblumen dominierten hier. Die Baumgrenze liegt im Himalaya jedoch erst bei ca. 4400 Höhenmetern. Unser Camp bestand aus unserem Zelt, einem Aufenthaltszelt und einem winizigen einfachen Toilettenzelt. Meist gab es an den Camps auch eine Nomaden-Hütte, die zum Kochen und zum Schlafen für die Begleitmannschaft genutzt wurde. Es gab ein leckeres Abendessen, das unser Koch geschickt und mit einfachsten Mitteln frisch zubereitete. Es wurde nach Sonnenuntergang gegen 18 Uhr schnell kühl, wir saßen dennoch noch ein paar Stunden am wärmenden Lagerfeuer, bevor wir in unsere Schlafsäcke krochen, für die wir wie auch in den Folgenächten Wärmflaschen bekamen.

Wir konnten recht gut schlafen und wachten zur Morgendämmerung auf. Es war noch recht kalt, die fantastische Aussicht an diesem klaren Morgen hielt uns jedoch nicht im Zelt. Was wir gestern noch nicht sehen konnte, begeisterte uns sofort: Ein tolles Panorama über die westlichen Himalaya Berge Bhutans, aus denen der 7300 Meter hohe Jomolhari besonders herausstach. Das Frühstück nahmen wir wegen des tollen Blicks vor dem Aufenthaltszelt ein, während die Mannschaft schon wieder mit dem Einpacken und Beladen der Pferde begann. Wir hatten jeweils nur unseren Tagesrucksack zu tragen, darin Regensachen, warme Jacke, Wasserflaschen und unsere Kameras. Es ging stetig aufwärts, wobei die Pfade weiter gut zu gehen waren. Der Wald wurde lichter und es ging öfter durch Buschland, in denen Rhododendren dominierten und über Gebirgswiesen mit Enzian, Edelweiß und anderen Gebirgsblumen. Auf knapp 4200 Metern erreichten wir den Pagalabtsa La Pass, während sich der Himmel wieder bewölkte. Apropos Wetter: Eigentlich soll die Zeit ab Anfang Oktober bis Mitte November in der Regel perfekt für Touren in der Himalayaregion sein (klar, trocken, mild). Doch dieses Jahr hatte sich der Monsun um ca. 2 Wochen nach hinten verschoben, was zur Folge hatte, dass es weiter etwas unbeständig war. Heute hatten wir jedoch Glück und es blieb trocken. Wir wanderten weiter und kamen nun in ein Gebiet, in die Yakhirten im Herbst ihre Herden von höher gelegenen Regionen brachten um sich auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Sie leben nomadisch und haben sich einfache Hütten aus Stein und Holz gebaut. Wir trafen 2 der Hirten, die gerade dabei waren, ein Seil aus Yakhaaren zu flechten. Wir sprachen sie an, sie zeigten uns ihre Hütte und boten Yakkäse an. Wir waren sehr überrascht über ihre Freundlichkeit und Bereitschaft, Fremden Einblicke in ihr Leben zu gewähren. Diese Bereitschaft und Neugier Fremden gegenüber fiel uns übrigens während der ganzen Reise sehr angenehm auf. Nach der Überquerung eines Höhenrückens bogen wir in ein Hochtal ein, von dem wiederum ein Tal südlich Richtung Indien abfiel. Etwas entfernt konnten wir einige Hirten bei einer eigentümlichen Zeremonie mit ihren Yaks beobachten. Unser Guide befürchtete, dass es sich um ein Schlachtritual handelte, welches eigentlich in Bhutan verboten sei. In Bhutan werden aus religiösen Gründen angeblich keine Tiere getötet oder Fische gefangen. Fleisch isst man dennoch – importiert es aber in der Regel aber aus Indien. Bei genauerer Betrachtung durch das Tele von Thorsten’s Kamera konnte jedoch Entwarnung gegeben werden: Es handelte sich wohl um den Versuch, das stärkste Yak-Rind zum Bespringen einer Yak-Kuh zu bringen, was offensichtlich nicht so einfach war. Wir gingen weiter und trafen in einer Hochebene namens Labatama an unserem Übernachtungsort auf etwas über 4000 Meter Höhenmetern ein. Da wir diesen schon am frühen Nachmittag erreichten, entschieden wir uns noch zu einer Kurzwanderung zu umliegenden Bergseen. Wegen der vergangenen Regenfälle war der Weg etwas mühsam und wir mussten oft vorsichtig von Stein zu Stein über mehr oder weniger tiefe Rinnsaale gehen. Daher konnten wir nicht den ganzen Rundweg gehen, sondern kehrten nach dem dritten See zurück, um noch vor Einkehr der Dunkelheit im Lager zu sein. Wir hätten uns gewünscht, hier noch einen Extratag Zeit zu haben, da die Landschaft mit den klaren Bergseen sehr schön war. Bei unserem Camp trafen wir auch auf eine andere kleine Trekkinggruppe mit einem Engländer – ansonsten waren wir auf der ganzen Tour die einzigen Touristen. Nach dem leckeren Abendessen sind wir recht zeitig ins Zelt, da es hier sehr kalt wurde und kein Feuer gemacht werden konnte.

Am nächsten Tag ging es wieder früh los. Es war zunächst locker bewölkt, später zog es jeodch etwa mehr zu. Die Landschaft wurde karger und die Wege steiniger. Ein langer Pfad führte zum höchsten Punkt unseres Treks, dem Labajong La Pass auf etwa 4500 Höhenmetern. Mit der Höhe hatten wir beide während der ganzen Reise keinerlei Probleme. Auch konditionell waren wir gut vorbereitet und so konnten wir den Trek ohne gesundheitliche Einschränkungen genießen. Am Pass kam die Sonne zwar auch kurz mal durch, die Aussicht auf die weißen Himalayariesen versperrten uns jedoch die Wolken. Dafür konnten wir Adler und Murmeltiere beobachten. Am Pass sollte sich unser teures GPS-Gerät vom Gürtel lösen, was wir jedoch erst später feststellten. Kurz vor unserem nächsten Camp holte uns der Engländer mit seiner Mannschaft ein und brachte uns das Gerät, dass er am Pass gefunden hatte. Was für ein Zufall – der einizige, der überhaupt auf diesem Trek unterwegs war, fand es zwischen den Steinen und gab es als ehrlicher Finder zurück. Wir waren beide sehr glücklich und dankbar. Eigenltich wollten wir uns am nächsten Camp mit ihm treffen und mehr ins Gespräch kommen, unser Koch suchte jedoch einen besseren Standort aus, da er schlechteres Wetter erwartete und vorbereitet sein wollte. Damit sollte er Recht behalten – kaum standen die Zelte und waren Drainagen gezogen, wurden die Wolken dunkler und es begann ein ca. 1-stündiger Hagelsturm, der aus der Höhenebene eine weiße Seenlandschaft machte. Die Entwässerungsgräben mussten optimiert werden, damit unser Zelt nicht unter Wasser stand. Nach dem Hagel war es zum Glück kurz trocken und wir konnten die nähere Umgebung noch etwas vor dem Abendessen erkunden. In der Nähe waren kleine Seeen und unzählige Bachläufe und Wiesen in unterschiedlichen Farbtönen. Abends saßen wir dann bei wieder einsetzendm Regen in warmen Sachen im Aufenthaltszelt, zu uns gesellte sich ein Hirtenhund, der auch Unterschlupf suchte. Die Nacht war weiter regnersich. Im Zelt war es zwar etwas klamm und feucht, Wasser drang zum Glück jedoch nicht ein und die Drainagen hielten stand.

Morgens ging der Regen weiter und uns blieb nichts anderes übrig, als unsere Sachen im Zelt zusammen zu packen. Die unangehmste Arbeit übernahm unsere Begleitmannschaft, während wir im Aufenthaltszelt frühstücken konnten. Wir zogen unsere Regensachen an und hofften darauf, dass das Wetter sich ändern würde. Nach kurzer Wegstrecke löste sich eine Sohle von Thorsten’s Wanderschuh und musste notdürftig mittels einem Schnürband befestigt werden. Wir überlegten zusammen mit unserem Guide, die verbliebenen 2 Etappen auf eine zusammenzulegen, da der Untergrund immer matschiger und unwegsamer wurde und sich das Wetter nicht zu ändern schien. Es wurde ein etwas anstrengender Tag – Thorsten musste jederzeit befürchten, dass sich auch die zweite Sohle löste. Der matschige Untergrund erschwerte das Gehen. Zum Glück hatten wir unsere Trekkingstöcke, die v.a. bei dem abschliessenden Abstieg über 1500 Höhenmetern nach Thimphu eine große Hilfe waren. Wir kamen nicht so schnell wie geplant voran, dennoch schafften wir die 2 Etappen in einem Tag. Auf dem steilen Weg nach unten rutschten unsere Begleitpferde öfter aus und auch der Helfer und Martin rutschten mit dem Hintern einmal in den Matsch. Am Ende waren wir alle glücklich und stolz, dass wir den Tag bei den schwierigen Bedingungen gut zu Ende gebracht hatten. Unser Guide konnte über die Agentur für uns noch eine Nacht in einem Hotel in Thimphu organisieren, was wegen des dortigen Tsechu (Volksfest) nicht einfach war. Wir verabschiedeten uns von unserem tollen Trekkingteam, wurden von unserem neuen Fahrer Kinchu in die Stadt gebracht und waren froh, dass wir uns duschen und neu einkleiden konnten. Danach genossen wir das a-la-carte Abendessen im Hotel Ariya.

Wandertag im Haa-Tal und Fahrt in die Hauptstadt Thimphu

Heute war wandern angesagt, nicht zuletzt um uns für das Trekking zu akklimatisieren. Unsere Unterkunft liegt im hinteren Haa-Tal auf ca. 3000 Höhenmetern. Es ist ein traditionelles Haus, in dem einige Zimmer für Gäste hergerrichtet wurden. Es liegt recht ruhig und nachts kann es hier auch mal frisch werden. Unser Guide erzählte uns, dass die Bevölkerung hier früher noch recht abergläubisch war, wovon sich einiges bis in unserer Zeit herübergerettet hat. Zum einen glaubt man an Flussgeister. Wenn der Fluss stark anschwillt, sind diese erzürnt und man besänftigte sie dann mit Yak-Opfern. Da der Buddhismus tibetanischer Prägung das Schlachten von Tieren verbietet, hat vor einiger Zeit der Ober-Lama des Tals den Menschen nahegelgr, statt eines Yaks ein Stoff-Yak zu zerteilen und dann als Opfer zu verbrennen.

Heute war das Wetter recht gut und wir sind beim Wandern recht schnell ins Schwitzen gekommen. Im T-Shirt ging es dann weiter zu einem sehr alten kleinen Kloster, das schon seit dem 8. Jahrhundert hier steht. Es hat schon Erdbeben überstanden, aber die Risse im Tempel wurden größer. Hier leben insgesamt 29 Mönche – der jüngste 9, der älteste 25 Jahre alt, was uns sehr erstaunt hat. Wir konnten mit zwei von ihnen länger reden und sie zeigten uns auch ihre einfachen Unterkünfte. Sie sind hier, um einige Jahre zu lernen und tiefer in die buddhistische Leere einzudringen und danach in größere Klöster zu wechseln. Sie erzählten von ihrem Tagesablauf und gaben uns einen spannenden Einblick in ihr Leben.

Danach wanderten wir weiter in Seitentäler des Haa-Tals und machten mittags eine Picknickpause zusammen mit unserem Guide und dem Fahrer. Danach konnten wir zu zweit noch eine kleine Wanderung unternehmen und haben die Ruhe und die Natur richtig gut geniessen können. Wir haben viele unterschiedliche Vögel gesehen und hatten den Eindruck, dass die Welt hier noch einigermaßen „in Ordnung“ ist.

Am nächsten Tag ging es schon früh weiter nach Thimphu. Da die geplante Strasse druchs südliche Haa-Tal wegen Bauarbeiten gesperrt war, mussten wir wieder über den 4000 m Pass. Dieser war in Wolken gehüllt, so dass wir wieder einmal keinen Blick auf die Berge hatten. Unser Guide zeigte uns hölzerne Plattformen, auf denen heute noch gestorbene Säuglinge gelegt werden, um sie von Tieren auffressen zu lassen. Die Knochen sammelt man nach ein paar Wochen wieder ein und verbrennt diese. In Tibet gibt es diese Form der Luftbestattung auch für Erwarchsene. Wir sind dann zu einem alten Gefängnis Dzong gefahren, wo bis 1976 noch Strafvollzug stattfand, der früher auch archaisch war. Schwerverbrecher wurden hier in einen Sack gebunden und die Klippen hinabgestürzt. Um den Ort von diesen Dingen zu reinigen, baute man mittlerweile ein Kloster. Hier war der jüngste Mönch 4 Jahre alt. Der alte Gefängnisturm wra für Renovierungsarbeiten gesperrt, wir konnten jedoch dennoch darin herumklettern.

Nun ging es direkt weiter nach Thimphu. Auf der wichtigsten Verbindungsachse zwischen Ost- und West Bhutan nahm der Verkehr merklich zu und auch die Luft wurde schlechter, je näher wir der Hauptstadt kamen. Unser Guide führte uns ins Restaurant Edelweiß zum Mittagessen, was jedoch so schlecht war, dass wir ihn näher mit unseren Essgewohnheiten vertraut machen mussten. Wir wollten kein fertiges Buffetessen mehr, das nur stundenlang warmgehalten wurde und zur Massenabfertigung diente. Er wra geknickt und gelobte Besserung. Nachmittags wollten wir zum Drubchen, einem traditionellen Klosterfest, welches jedoch gegen 14 Uhr schon Feierabend machte. Stattdessen konnten wir alleine die Stadt erkunden und fanden in einer Kooperative von einheimischen Künstern und Handwerkern eine wunderschöne Thangka (ein Art buddhistischer Wandbild), die eigentlich unverküflich weil einizigartig war. Es kostete viel Verhandlungsgeschick, so dass letztendlich der Künstler selbst herbeigerufen wurde und uns eine noch viel schönere Thangka verkaufte, die er vor vielen Jahren gezeichnet hat. Er selbst hat die Kooperative 1970 mitbegründet.

Abends gingen wir dann in ein richtig gutes Restaurant, wo wir einheimisch und sehr lecker essen konnten. Das Folk Heritage Restaurant befindet sich in einem alten Gebäude. Wir aßen aus traditionellen Holzschalen und bekamen den einheimischen Ara (eine Art Reiswein) ausgeschenkt. Unser Guide war froh, dass es uns schmeckte und versprach, dort nach unserem Trek wieder hinzugehen. Wir hatten von unserem Hotelzimmer einen direkten Blick auf das National Memorial Chorten, eine Erinnerungsstpa an den dritten König. Diese wird von Gläubigen unentwegt umrundet – einige werfen sich unzählige Male davor auf den Boden.

Jetzt packen wir noch unsere Sachen für das Trekking um. Wir werden 5 Tage auf dem Dagala Trek unterwegs sein, der uns zu vielen Bergseen führen wird. Wie werden begleitet von unserem Guide, einem Pferdeführer, einem Koch und einem Helfer. Bevor es losgeht, wird nochmals gründlich geduscht, da dies erst nach der Rückkehr wieder möglich sein wird. Von daher wird es auch einige Tage dauern, bevor wir uns wieder melden können.